Pflegeversicherung

Stellen Sie sicher, dass Sie im Pflegefall bedarfsgerecht betreut werden: Mit einer privaten Pflegeversicherung schließen Sie die finanzielle Lücke, die von der gesetzlichen Versicherung hinterlassen wird.

Die staatliche Pflegeversicherung reicht in der Regel nur für grundlegende Pflegeleistungen aus – wenn überhaupt. Für alles weitere müssen Betroffene selbst aufkommen.

Mit einer privat abgeschlossenen Zusatzversicherung zur gesetzlichen Pflegeversicherung begleichen Sie den Eigenanteil an den Pflegekosten, ohne die eigenen finanziellen Mittel angreifen zu müssen. -> Pflegeversicherungen im Vergleich

Privaten Pflegeversicherung

 

Diese Formen der privaten Pflegeversicherung gibt es

Im Grunde gibt es vier Formen der Pflegeversicherung: Die Pflegerentenversicherung, die staatlich geförderte ”Pflege-Bahr”-Versicherung (die genau genommen zur Pflegerentenversicherung gehört), die Pflegetagegeldversicherung und die Pflegekostenversicherung.

Pflegerentenversicherung

Eine Pflegerentenversicherung wird im Versicherungsfall monatlich an den Versicherungsnehmer ausgezahlt. Im Gegensatz zu anderen privaten Pflegeversicherungen (zum Beispiel der Pflegekostenversicherung) ist diese Form der privaten Pflegeversicherung zweckungebunden. Der Versicherungsnehmer kann also frei über die Auszahlungen verfügen und muss nicht nachweisen, wie das Geld eingesetzt wurde. Werden Pflege und Betreuung beispielsweise von einem Familienmitglied übernommen (einer sogenannten Laienpflege), kann dieses mit einer Pflegerentenversicherung finanziert werden.

Die Pflegerentenversicherung ist deutlich flexibler als zum Beispiel das Pflegetagegeld. So können zum Beispiel die Beitragszahlungen in der Ansparphase ausgesetzt werden, was bei einer Pflegetagegeldversicherung nicht möglich ist (s. Abschnitt weiter unten). Wer also in der Ansparphase einen finanziellen Engpass wegen Arbeitslosigkeit überbrücken muss, kann die Zahlungen so lange zurückstellen, bis wieder ein geregeltes Einkommen vorhanden ist. Die bereits getätigten Einzahlungen gehen dabei nicht verloren, wie es zum Beispiel beim Pflegetagegeld der Fall wäre. Zudem sind Teile der Pflegerentenversicherung vererbbar, wenn keine Pflegezeiten in Anspruch genommen wurden.

Eine Pflegerentenversicherung kann auch staatlich gefördert werden. Der Versicherungsnehmer entscheidet sich dann für eine so genannte Pflege-Bahr-Versicherung (auch Pflege-Riester genannt).

Pflege-Bahr (“Pflege-Riester”)

Wie die Riester-Rente bei der Altersvorsorge wird auch die Pflege-Bahr-Versicherung vom Staat bezuschusst. Im Gegensatz zur Riester-Rente stockt der Staat beim Pflege-Bahr allerdings nicht die Versicherungsbeiträge auf, sondern reduziert die monatlichen Beiträge, die der Versicherungsnehmer zahlen muss.

Für sämtliche Verträge gilt: Alle Versicherungsbeiträge werden um 5 Euro reduziert – ganz gleich, wie hoch die monatlichen Beiträge sind und bei welchem Versicherer die Pflege-Bahr-Versicherung abgeschlossen wurde.

Die Versicherungsbeiträge werden bei der Pflege-Bahr-Versicherung individuell berechnet. Im Gegensatz zur Riester-Rente, bei der die Beitragshöhe von der Einkommenshöhe abhängt, ist beim Pflege-Bahr allerdings das Alter des Versicherungsnehmers entscheidend. Eventuelle Vorerkrankungen spielen keine Rolle – das große Plus der Pflege-Bahr-Versicherung. Denn somit können auch Personen privat für den Pflegefall vorsorgen, die aufgrund von gesundheitlichen Problemen von den Versicherern abgelehnt werden.

Die maximale Auszahlung liegt bei 600 Euro im Monat (bei Pflegegrad 5). Es gibt zudem eine Wartezeit von 5 Jahren. Erst nach Ablauf dieser Frist hat der Versicherungsnehmer Anspruch auf Leistungen aus seiner privaten Pflegeversicherung.

Die staatlich geförderte Pflegeversicherung ist nicht vererbbar.

Lesen Sie auch den Abschnitt “Pflegeversicherung ohne Gesundheitsprüfung” weiter unten in diesem Beitrag.

Pflegetagegeldversicherung

Die Pflegetagegeldversicherung zahlt im Versicherungsfall einen festen Geldbetrag für jeden anerkannten Pflegetag aus. Die Auszahlungshöhe richtet sich dabei nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit und ist ebenfalls nicht zweckgebunden. Der Versicherungsnehmer kann im Versicherungsfall also selbst entscheiden, wie er das so genannte Tagegeld einsetzt. Auch hier profitieren Versicherungsnehmer, die sich von Angehörigen pflegen lassen möchten, die kein Pflege-Zertifikat (o. ä.) vorweisen können. Bei der Auszahlung des Tagegeldes muss im Gegensatz zu anderen Formen der Pflegeversicherungen (zum Beispiel der Pflegekostenversicherung – s. unten) der Einsatz der finanziellen Mittel nicht nachgewiesen werden. Wie das Tagegeld eingesetzt wird, ist dem Versicherungsnehmer also freigestellt.

Beachten Sie auch die Erläuterungen zu den Pflegestufen weiter unten in diesem Beitrag.

Die Pflegetagegeldversicherung ist im Gegensatz zu den Formen der Pflegerentenversicherung zwar günstiger, kann allerdings auch nicht vererbt werden.

Pflegekostenversicherung

Die Pflegekostenversicherung übernimmt im Versicherungsfall die Kosten für zum Beispiel einen ambulanten Pflegedienst. Die Auszahlung ist dabei an die anfallenden Kosten gekoppelt. Das bedeutet, dass bei steigenden Kosten (zum Beispiel durch gestiegene Preise beim ambulanten Pflegedienst) auch die Auszahlung erhöht wird. Der Versicherungsnehmer muss also nicht befürchten, dass er während der Auszahlungsphase unerwartet einen Eigenanteil übernehmen muss.

Einer der großen Vorteile einer Pflegekostenversicherung: In der Ansparphase wird vom Versicherungsnehmer Kapital aufgebaut. Dieses Kapital wird auch ausgezahlt, wenn der Versicherungsfall nicht eintritt. Damit ist die Pflegekostenversicherung – im Gegensatz zum Beispiel zum Pflegetagegeld – vererbbar.

Der Nachteil gegenüber dem Pflegetagegeld: Die Verwendung der Auszahlung ist zweckgebunden. Das bedeutet, dass die Nutzung einer sogenannten Laienpflege durch zum Beispiel einen Angehörigen im Regelfall nicht möglich ist. Für eine Auszahlung muss der Versicherungsnehmer Rechnungen bei der Versicherung einreichen, die eine private Pflegekraft in der erforderlichen Form nicht ausstellen kann.


Das sind die Pflegestufen / Pflegegrade

Was früher die Pflegestufen waren, sind heute die Pflegegrade: Seit der Pflegereform 2017 wird unterschieden zwischen:

  • Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten
  • Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten
  • Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten
  • Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten
  • Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Ob jemand die Voraussetzungen für die Leistungen der Pflegeversicherung erfüllt, beurteilen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Kranken- und Pflegekassen – MDK (für die gesetzlichen Pflichtversicherungen) bzw. Medicproof (für die privaten Pflegeversicherungen).

Deswegen haben die Pflegegrade die Pflegestufen abgelöst

Mit dem seit dem 01. Januar 2017 gültigen Pflegestärkungsgesetz PSG II haben grundsätzlich mehr Menschen Anspruch auf eine Unterstützung durch die Pflegeversicherung. Dieses macht sich vor allem beim neu eingeführten Pflegegrad 1 bemerkbar: Einige Personen, die die Grundbedingungen für die frühere Pflegestufe 0 (die vormals unterste Kategorie) nicht erfüllten, werden nun mit dem neu eingeführten Pflegegrad 1 erfasst und haben Anspruch auf Leistungen. Damit ist die Pflegeversicherung für einen größeren Personenkreis eine echte Hilfe.

Zudem wurden mit dem früheren System viele Demenzkranke zu einem großen Teil vom Leistungsspektrum der gesetzlichen Pflegeversicherung ausgeschlossen. Mit dem Pflegestärkungsgesetz PSG II änderte sich dieses: Demenzkranke und körperlich Erkrankte sind nun gleichgestellt.

Die früheren Pflegestufen wurden wie folgt umgewandelt:

  • Pflegegrad 1 = neu eingeführt
  • Pflegegrad 2 = Pflegestufe 0 und Pflegestufe 1
  • Pflegegrad 3 = Pflegestufe 1 plus eingeschränkter Alltagskompetenz und Pflegestufe 2
  • Pflegegrad 4 = Pflegestufe 2 plus eingeschränkter Alltagskompetenz und Pflegestufe 3
  • Pflegegrad 5 = Pflegestufe 3 plus eingeschränkter Alltagskompetenz und Pflegestufe 3 mit Härtefall

Das leistet die staatliche Pflegeversicherung

Seit der Pflegereform 2017 zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung wie folgt:

Monatliche Auszahlung bei ambulanter Pflege

Pflegegrad 1 Pflegegrad 2 Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pflegegrad 5
Geldleistung 316 Euro 545 Euro 728 Euro 901 Euro
Sachleistung 689 Euro 1.298 Euro 1.612 Euro 1.995 Euro

(Alle Angaben ohne Gewähr.)

Monatliche Auszahlung bei stationärer Pflege

Pflegegrad 1 Pflegegrad 2 Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pflegegrad 5
teilstationär 689 Euro 1.298 Euro 1.612 Euro 1.995 Euro
stationär 125 Euro 770 Euro 1.262 Euro 1.775 Euro 2.005 Euro

(Alle Angaben ohne Gewähr.)

Die Auszahlungen sind zweckungebunden. Bei den meisten Pflegebedürftigen reichen die Zahlungen allerdings nicht aus, um sämtliche Kosten vollständig abzudecken.

Warum die gesetzliche Pflegeversicherung nicht ausreicht

Die Pflegeversicherung gehört in Deutschland in den Bereich der gesetzlichen Sozialversicherungen und ist damit eine Pflichtversicherung, die jeder Krankenversicherte automatisch erhält. Die Pflegeversicherung gilt sowohl für gesetzlich Krankenversicherte als auch für privat Krankenversicherte.

Eine zusätzliche private Absicherung ist dennoch notwendig, denn die Auszahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung reichen bei vielen Pflegebedürftigen kaum aus, um die Kosten für zum Beispiel Mobilisierung, Ernährung, Körperpflege und hauswirtschaftliche Versorgung vollständig zu decken. Sämtliche Kosten, die nicht von der Auszahlung der gesetzlichen Pflegeversicherung bezahlt werden können, müssen selbst übernommen werden. In so einem Fall hilft eine private Pflegeversicherung, die – je nach gewählter Vorsorgeform – mitunter sogar zweckungebunden ist.

Beachten Sie: Wenn die staatliche Pflegeversicherung nicht ausreicht und keine private Pflegeversicherung abgeschlossen wurde, wird bei Hilfebedürftigkeit nach SGB nicht nur das eigene Kapital berücksichtigt, sondern auch das der eigenen Kinder.

Pflegeversicherung ohne Gesundheitsprüfung

Die einzige Pflegeversicherung ohne Gesundheitsprüfung, die neben der gesetzlichen Pflichtversicherung erhältlich ist, ist die staatlich geförderte Pflege-Bahr-Versicherung (s. a. entsprechender Abschnitt weiter oben im Beitrag). Mit der Pflege-Bahr-Versicherung möchte der Gesetzgeber auch Personen mit einer Vorerkrankung die Möglichkeit geben, sich privat abzusichern. Denn eine Vorerkrankung ist für die meisten Pflegeversicherungen ein Grund, einen Versicherungsschutz abzulehnen.

Die Gesundheitsprüfung fällt bei der staatlich geförderten privaten Pflegeversicherung also weg.

Weitere Fachportale: www.berufsunfähigkeitsversicherungen-testsieger.de | www.private-krankenversicherungen.net | www.riesterrente-heute.de | www.rechtsschutzversicherungen-testsieger.de