Die Pflegegrade – Aufbau und Prinzip

Mit Beginn des Jahres 2017 wurde der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Dieser löst die bis Ende 2016 geltenden Pflegestufen ab. Ersetzt wurden die drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade. Lesen Sie hier, welche Änderungen mit dem neuen System einhergehen.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff ist Teil der Pflegereform, die mit den Pflegestärkungsgesetzen I, II und III seit 2015 Schritt für Schritt ein Kraft getreten ist.
Bisher wurden bei der Feststellung einer Pflegebedürftigkeit vor allem die körperlichen Fähigkeiten betrachtet. Mit dem Ergebnis, dass mental beeinträchtigte Menschen benachteiligt wurden. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll das ändern. Nun werden sowohl Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen berücksichtigt als auch Demenzkranke und Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen.

Begutachtung der Selbstständigkeit

Mit der Einführung der Pflegegrade wurde auch ein neues System zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit eingeführt. Es handelt sich dabei um das sogenannte Neue Begutachtungsassessment (NBA). Die Einteilung in Pflegestufen erfolgte auf Basis des zeitlichen Hilfebedarfs (Hilfebedarf in Minuten pro Tag).
Nun soll anhand der Selbstständigkeit des Betroffenen beurteilt werden. Inhalt der Begutachtung werden wie bisher die Bereiche Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung sein. Darüber hinaus werden kognitive und kommunikative Fähigkeiten bewertet. Außerdem spielen Verhaltensweisen, psychische Problemlagen sowie die Gestaltung des Alltags und der sozialen Kontakte eine wichtige Rolle bei der Einschätzung.


Pflegegrade berechnen

Die Bewertung der Pflegebedürftigkeit erfolgt durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabhängige Gutachter. Diese überprüfen, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind und stufen den Betroffenen mittels eines Punktesystems in den jeweiligen Pflegegrad ein.

So funktioniert die Berechnung der Pflegegrade

Der zuständige Gutachter bewertet die Selbstständigkeit der betroffenen Person in sechs verschiedenen Lebensbereichen. Diese werden als Module bezeichnet. In jedem Modul werden Punkte vergeben, die anschließend je nach Gewichtung des jeweiligen Moduls zusammengerechnet werden. Je nach Gesamtpunktzahl erfolgt die Einstufung in einen der Pflegegrade.

Die Pflegegrade: Aufbau und Prinzip

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die fünf Pflegegrade und die Einstufung nach Punkten

Die Ermittlung des jeweiligen Pflegegrades erfolgt anhand der Schwere der Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigungen (12,5 bis 26,5 Punkte)

Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigungen (27 bis 47 Punkte)

Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigungen (47,5 bis 69,5 Punkte)

Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigungen (70 bis 89,5 Punkte)

Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigungen, mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung  (90 bis 100 Punkte)

Neue Leistungen gesetzliche Pflegeversicherung

Alle Pflegebedürftigen haben durch die Reform Anspruch auf bestimmte Leistungen.

Unabhängig vom Pflegegrad stehen den Pflegebedürftigen unter anderem folgende Leistungen zu:

  • Pfle­gehilfs­mittel im Wert von 40 Euro,
  • 125 Euro Entlastungs­betrag bei der häuslichen Pflege,
  • 4.000 Euro für den barrierefreien Umbau der Wohnung,
  • Haus­notruf,
  • bei Gründung einer ambulant betreuten Wohn­gruppe eine Anschub­finanzierung von 2.500 Euro pro Person (bzw. höchs­tens 10.000 Euro pro Wohn­einheit), sowie
    monatlich 215 Euro Wohn­gruppen­zuschlag

Pflegebedürftige, die Pflegegrad 2 bis 5 haben, können zusätzlich folgende Leistungen beanspruchen:

  • Pflegegeld, wenn der Pflegebedürftige durch nahe­stehende Personen zuhause gepflegt wird,
  • Pflegesach­leistungen, wenn eine ausgebildete Pflegekraft die Pflege in häuslicher Umgebung übernimmt sowie
  • stationäre Pflege

Zusätzlich können Kurz­zeit­pflege, Verhinderungs­pflege, Tages- und Nacht­pflege sowie Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung für Pflegende in Anspruch genommen werden.

Pflegegrade 2017 Geld

Pflegegrad 1 Pflegegrad 2 Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pflegegrad 5
Geldleistung
ambulant
316 € 545 € 728 € 901 €
Sachleistung
ambulant
689 € 1.289 € 1.612 € 1.995 €
Entlastungsbetrag
ambulant (zweckgebunden)
125 € 125 € 125 € 125 € 125 €
Leistungsbetrag
vollstationär
125 € 770 € 1.262 € 1.775 € 2.005 €

Die Pflegestärkungsgesetze

Im Jahr 2013 beschlossen die Regierungsparteien die Durchführung einer umfrangreichen Pflegereform. Diese wurde in den vergangenen Jahren durch drei Pflegestärkungsgesetze umgesetzt.

Die wichtigsten Inhalte des ersten Pflegestärkungsgesetzes (PSG I) sind die Erhöhung des Beitragssatzes um 0,3 Prozentpunkte, der Ausbau der Pflegeleistungen sowie die Schaffung eines Pflege-Vorsorgefonds.

Das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) enthält die umfangreichsten Reformen. Mit dem zweiten Pflegegesetz wurden ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsassessments (NBA) eingeführt. Außerdem erfolgte die Umstellung auf die Pflegegrade.
Zur Finanzierung der Maßnahmen erfolgte zum 1. Januar 2017 zusätzlich eine Anhebung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung um 0,2 Prozentpunkte.

Das dritte Pflegestärkungsgesetz (PSG III) ist am 1. Januar 2017 in Kraft getreten. Mit dem dritten Pflegegesetz werden unter anderem die Kommunen und ihre Rolle in der Pflege gestärkt.

Höhe der Beiträge nach der Reform

Zum 1. Januar 2017 ist der Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung nochmals um 0,2 Prozentpunkte gestiegen. Damit gilt nun ein Beitragssatz von 2,55 Prozent. Kinderlose Versicherte ab dem vollendeten 23. Lebensjahr müssen zusätzlich den Kinderlosenzuschlag zahlen, sodass der Beitragssatz für sie dann bei 2,80 Prozent liegt.